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Frau isst entspannt ein Stück Kuchen

12. Mai 2026 · 5 Min. Lesezeit

Warum Kalorienzählen nicht funktioniert – und wessen Stimme da eigentlich zählt

Sonntagabend.

Du sitzt mit dem Handy am Küchentisch und machst den Plan für die neue Woche.

Kein Zucker. Kein Brot. Jeden Tag Bewegung. Alles wird eingetragen.

Diesmal wirklich.

Mittwoch, 16 Uhr. Im Büro steht Kuchen.

Ein Stück. Dann noch eins.

Und im Kopf geht es los:

„Du bist so undiszipliniert. Kannst du nicht EINMAL etwas durchziehen?"

Die Woche ist „ruiniert". Also ist jetzt eh alles egal …

Kennst du diesen Kreislauf?

Ich kenne ihn in- und auswendig.

Was Zählen mit deinem Körper macht

Lass uns kurz beim Körper bleiben, bevor wir tiefer gehen.

Wenn du anfängst, jede Kalorie zu zählen und deutlich weniger zu essen,

registriert dein Körper vor allem eines: Mangel.

Für ihn ist Mangel keine Zahl in einer App. Für ihn ist Mangel Gefahr.

Also tut er, was er seit Jahrtausenden tut: Er spart. Er hält fest.

Und er schickt dir Heißhunger, damit du endlich wieder isst.

Dazu kommt der Stress.

Das Wiegen, das Rechnen, das ständige „Darf ich das?".

Dein Alltag ist ohnehin voll – und jetzt läuft auch noch den ganzen Tag ein Kampf im Hintergrund.

Ein gestresster Körper hält zusammen, was er hat.

Das ist keine Sturheit. Das ist Schutz.

Kalorienzählen scheitert also nicht, weil du zu schwach bist.

Es scheitert, weil es deinem Körper Angst macht.

Ganz ehrlich … das wusste ich schon lange. Und ich habe trotzdem weitergezählt.

Warum?

Wessen Stimme zählt da eigentlich?

Weil Kontrolle sich sicher anfühlt.

Und weil in mir eine Rolle saß, die Kontrolle liebt.

Ich nenne sie die Strenge.

Sie ist wie eine Lehrerin mit dem Rotstift, die in deinem Kopf wohnt.

Sie macht Pläne. Sie zählt. Sie misst. Und sie streicht jeden Fehler dick an.

Die Strenge glaubt: Nur mit Druck werde ich gut genug.

Nur wenn ich mich im Griff habe, bin ich in Ordnung.

Und jedes Mal, wenn du das Zählen „nicht durchhältst", bekommt sie recht.

Das Fiese daran: Die Strenge macht genau das Problem, das sie lösen will.

Je strenger sie wird, desto mehr Stress.

Je mehr Stress, desto lauter der Heißhunger.

Je lauter der Heißhunger, desto strenger sie.

Ein Kreis, der sich selbst füttert.

Oft kommt die Strenge übrigens nicht allein.

Wer lange für alle anderen da war oder lange gedacht hat „bei mir klappt eh nichts",

dem wird es irgendwann zu viel.

Und dann schlägt es um. Gegen den eigenen Körper.

Diese Härte bist nicht du

Das ist der Satz, den ich dir heute mitgeben möchte.

Die Strenge ist eine Rolle. Sie hat irgendwann gelernt, dass sie dich so beschützt.

Aber eine Rolle kann man ablegen. Wie einen viel zu engen Mantel.

Nicht, indem du sie bekämpfst. Das wäre nur die nächste Strenge, eine Etage höher.

Sondern indem du sie erkennst.

„Ah. Da ist sie wieder. Die mit dem Rotstift."

In dem Moment, in dem du das bemerkst, bist du nicht mehr die Rolle.

Du bist die, die hinschaut.

Und von dort aus kannst du wählen.

Sicherheit statt Kontrolle

Dein Körper braucht kein strengeres Regime.

Er braucht das Gegenteil: das Gefühl, dass keine Gefahr droht.

Das beginnt bei ganz einfachen Dingen.

Regelmäßig essen, statt zu hungern und dann zu „sündigen".

Dich hinsetzen. Schmecken. Satt werden dürfen.

Und vor allem: dich nicht mehr für jeden Bissen verurteilen.

Wenn dein Nervensystem zur Ruhe kommt und die Strenge leiser wird, passiert etwas Erstaunliches.

Essen wird wieder friedlich.

Und oft verändert sich dabei auch der Körper.

Nicht, weil du ihn gezwungen hast. Sondern weil er endlich loslassen darf.

Ein kleiner Versuch für diese Woche

Wenn die Lehrerin mit dem Rotstift das nächste Mal loslegt, frag dich:

„Würde ich so mit meiner besten Freundin reden?"

Du musst nichts ändern. Nur bemerken, wie streng sie ist.

Und ihr vielleicht … den Rotstift einmal kurz aus der Hand nehmen. ✨

Welche Rolle zählt bei dir?

Vielleicht ist es bei dir gar nicht die Strenge.

Vielleicht sitzt bei dir eher die Kümmerin am Tisch. Oder die Erschöpfte. Oder die Perfekte.

Jede von ihnen steuert dein Essen auf ihre eigene Art.

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welche Rolle gerade dein Essen – und dein Leben – steuert.

Und was dein erster Schritt raus aus der Schleife ist.

Deine Sabine

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